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3. Kompetenzerwartungen im Fach Physik in der Sekundarstufe I
Einleitung
Die im Folgenden beschriebenen Kompetenzen stellen verbindliche Standards für den Beitrag des Faches Physik zur naturwissenschaftlichen Grundbildung dar. Sie beschreiben die Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die sich im Unterricht bis zum Ende der Sekundarstufe I kumulativ entwickeln sollen. Sie dienen den Lehrerinnen und Lehrern als Zielorientierung. Gleichzeitig definieren sie, welche Voraussetzungen im nachfolgenden Physikunterricht in der gymnasialen Oberstufe erwartet werden können.
Die formulierten Kompetenzen beschreiben erwartete Ergebnisse des Lernens und nicht Themen für den Unterricht. Der Unterricht ist thematisch und methodisch so anzulegen, dass alle Schülerinnen und Schüler im Laufe der Jahrgangsstufen 5 bis 9 geeignete Lerngelegenheiten erhalten, die genannten Kompetenzen nachhaltig zu erwerben. Daher ist es notwendig, in den einzelnen Inhaltsfeldern und Anwendungsbereichen Schwerpunkte auf den Erwerb bestimmter Kompetenzen zu setzen. Hierzu legen die Fachkonferenzen Grundsätze fest. In der Summe müssen alle Kompetenzen am Ende der Jahrgangsstufe 9 erreicht sein.
Die Kompetenzen sind nach den in Kapitel 2 dargestellten Kompetenzbereichen geordnet und eng miteinander vernetzt.
Die prozessbezogenen Kompetenzen (Kapitel 3.1) sind nach den in Kapitel 2 dargestellten Bereichen beschrieben. Wegen ihrer Bedeutsamkeit für die drei naturwissenschaftlichen Fächer und großer Überschneidungen ist eine Abstimmung zwischen den Fächern notwendig, um Synergieeffekte zu nutzen.
Die Basiskonzepte des Faches Physik sind in Kapitel 3.2 dargestellt. Sie werden jeweils im Zusammenhang skizziert, bevor die zugehörigen konzeptbezogenen Kompetenzen dargestellt werden. Der Übersicht halber werden hier die Basiskonzepte aller drei Fächer aufgeführt.
| Basiskonzepte | ||||
| Physik | System | Struktur der Materie | Energie | Wechselwirkung |
| Biologie | System |
Struktur und Funktion | Entwicklung | |
| Chemie | Chemische Reaktion |
Struktur und Materie | Energie | |
Die Fächer Physik und Chemie beschreiben wegen der Notwendigkeit der Verwendung einheitlicher Begriffe die Basiskonzepte „Struktur der Materie“ und „Energie“ gemeinsam. Die fachspezifisch konkretisierten Kompetenzerwartungen zu diesen Basiskonzepten werden allerdings in beiden Lehrplänen getrennt ausgewiesen. Das Basiskonzept System wird jeweils aus der Perspektive der Fächer Biologie und Physik beschrieben.
Die konzeptbezogenen Kompetenzen für das Fach Physik sind in Kapitel 3.3 dargestellt. Sie sind in drei Progressionsstufen formuliert, um die Kompetenzentwicklung im Laufe der Sekundarstufe I zu verdeutlichen und Eckpunkte für die Entwicklung schulinterner Lehrpläne zu liefern. Sie werden für das Ende der Jahrgangsstufe 6, das Ende der Jahrgangsstufe 9 (Stufe II) und eine mittlere Stufe zwischen dem Ende der Jahrgangsstufen 6 und 9 (Stufe I) ausgewiesen.
3.1 Prozessbezogene Kompetenzen im Fach Physik
Die prozessbezogenen Kompetenzen beschreiben die Handlungsfähigkeit von Schülerinnen und Schülern in Situationen, in denen naturwissenschaftliche Denk- und Arbeitsweisen erforderlich sind. Sie werden auf dem für einen Kernlehrplan angemessenen Abstraktionsniveau formuliert. Auf die Darstellung einer Progression im Laufe der Sekundarstufe I wird verzichtet. Die Ausprägung der beschriebenen Schüleraktivitäten, die Komplexität der Anwendungssituationen und der Grad der Selbstständigkeit werden in den verschiedenen Altersstufen in einer Form erwartet, die dem jeweiligen altersgemäßen Entwicklungsstand der Schülerinnen und Schüler entspricht und geschlechtsspezifischen Unterschieden in der Lernausgangslage und Umgehensweise Rechnung trägt. Dabei werden Kooperation und Kommunikation auch als Elemente fachmethodischen Arbeitens verstanden.
Kompetenzbereich
Erkenntnisgewinnung
Experimentelle und andere Untersuchungsmethoden sowie Modelle nutzen
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Bis Ende von Jahrgangsstufe 9 |
| Schülerinnen und Schüler ... |
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Kompetenzbereich
Kommunikation
Informationen sach- und fachbezogen erschließen und austauschen
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Bis Ende von Jahrgangsstufe 9 |
| Schülerinnen und Schüler ... |
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Kompetenzbereich
Bewertung
Physikalische Sachverhalte in verschiedenen Kontexten erkennen, beurteilen und bewerten
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Bis Ende von Jahrgangsstufe 9 |
| Schülerinnen und Schüler ... |
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3.2 Basiskonzepte im Fach Physik
Basiskonzept
Energie
Ausführungen zum Basiskonzept Energie werden in allen Fachlehrplänen Physik, Biologie und Chemie aufgenommen, weil eine gemeinsame Verständnisbasis der Fachlehrerinnen und Fachlehrer dieser Fächer unerlässlich ist, um eine kongruente Entwicklung des Energiekonzepts bei Schülerinnen und Schüler zu ermöglichen.
Energie ist eine der wichtigsten universellen Größen für die naturwissenschaftliche Beschreibung unserer Welt. Sie ist so etwas wie der „Treibstoff“ allen Lebens und jeder Veränderung, die sich naturwissenschaftlich beschreiben lässt. Energieumwandlungen treten bei allen Vorgängen in Natur und Technik auf und sie bestimmen entscheidend deren Ablauf. Ihre Nutzung verändert den Lebensraum Erde, ist Motor für technischen Fortschritt, erleichtert unser Leben und macht Mobilität erst möglich, um nur einige Aspekte zu nennen. Allerdings hat ihre extensive Verwendung auch nachteilige Folgen für unseren Lebensraum, wenn man etwa die globale Erwärmung betrachtet oder die begrenzten Ressourcen und das Problem der Umwandlungsprodukte in den Blick nimmt. Bedeutung und Auswirkungen der Energienutzung spielen in ökonomischen, gesellschaftlichen und damit auch in politischen Zusammenhängen eine besondere Rolle. Daher ist das konzeptuelle Verständnis von Energie wesentlicher Bestandteil naturwissenschaftlicher Grundbildung.
Energie kommt in unterschiedlichen Formen vor und kann auf
unterschiedliche Weise in Körpern gespeichert sein. Sie ist z.
B. verbunden mit der Bewegung, der Masse und der Verformung von
Körpern, ist gespeichert in Atomkernen, in Atomen, in den
chemischen Bindungen, in Feldern und als innere Energie in der
thermischen Bewegung von Teilchen. Sie kann transportiert bzw.
übertragen werden. Strahlung, Wärmeleitung,
Kraftwirkung und elektrischer Strom sind typische Mechanismen des
Energietransports bzw. der Übertragung.
Alle Energieformen lassen sich durch Wechselwirkung in andere
umwandeln. Dabei bleiben Energiemengen erhalten und können
bilanziert werden (1. Hauptsatz der Thermodynamik). Somit
können quantitative Vorhersagen über die Ergebnisse
von Prozessen getroffen werden, ohne diese im Detail zu betrachten. Es
reicht aus, die Energien von Anfangs- und Endzuständen zu
bilanzieren. Bei allen energetischen Vorgängen, an denen
thermische Prozesse beteiligt sind, findet Entwertung statt. Hier wird
ein Teil der aufgenommenen Energie als Wärme in die Umgebung
abgegeben. Dieser Teil ist dann nicht mehr vollständig weiter
verwendbar.
Mit dem Entropiebegriff, der allerdings wegen seiner Komplexität in der Sekundarstufe I nicht thematisiert wird, lässt sich u. a. der Entwertungsaspekt bei Energiewandlungen beschreiben (2. Hauptsatz der Thermodynamik).
Das Energiekonzept ist trotz einiger didaktischer Reduktionen (z. B. Entwertung statt Entropiezunahme) trag-, aussage- und entwicklungsfähig. Es muss sich bei Schülerinnen und Schülern allerdings Schritt für Schritt entwickeln. Dies ist ein kontinuierlicher Prozess, der schon in vorschulischen Erfahrungszusammenhängen beginnt, sich im Sachunterricht der Grundschule und in der Sekundarstufe I fortsetzt und ständig von außerschulischen Erfahrungen begleitet wird.
Kinder und Jugendliche erfahren Energie schon in ihrem alltäglichen Leben als eine Größe, die einen besonderen Wert besitzt. Energiekosten im Haushalt und bei Transportmitteln, aber auch Fragen der Ressourcenverknappung, z. B. beim Erdöl, und der globalen Erwärmung, begegnen ihnen in den Medien und auch in Gesprächen zu Hause. Dabei entstehen häufig Vorstellungen, die mit den fachlichen Sichtweisen nicht oder nur teilweise übereinstimmen und deshalb durch physikalische und chemische Konzepte behutsam erweitert oder ersetzt werden müssen.
Schülerinnen und Schüler erkennen schon im Anfangsunterricht an Beispielen wie der Nahrungsaufnahme und –umsetzung, der Nutzung von Geräten im Alltag und bei chemischen Reaktionen, dass gespeicherte oder bereitgestellte Energie transportiert und in ihren Erscheinungsformen umgewandelt werden kann. Und sie sehen, dass die Energie dabei nicht verloren geht, allerdings nach ihrer Nutzung teilweise bzw. sogar vollständig unbrauchbar ist, wenn sie als Wärme an die Umgebung abgegeben wurde. Energetische Betrachtungen ermöglichen es schon früh, komplexere Vorgänge zu beschreiben, ohne auf Wechselwirkungsprozesse im Detail eingehen zu müssen.
Auf unnötige begriffliche Differenzierungen und Spezialisierungen kann und soll dabei verzichtet werden. Zum ersten Verständnis reicht es völlig aus, wenn Schülerinnen und Schüler an Beispielen beschreiben, dass z. B. Energie durch Strahlung transportiert oder durch Kraftwirkung übertragen wird, dass thermische Energie durch Kontakt, elektrische Energie durch elektrischen Strom übertragen wird.
Benennungen von Energieformen können zunächst unterbleiben. Aussagen wie „die Aufnahme (Abgabe) von Energie äußert sich in der Erwärmung (Abkühlung) des Körpers“, „die Aufnahme (Abgabe) von Energie äußert sich in Bewegungsänderungen“, „die Aufnahme (Abgabe) von Energie äußert sich in der Veränderung von Substanzen“ sind in einem ersten Zugriff durchaus tragfähig.
Auch Energieerhaltung und Energieentwertung begegnen Schülerinnen und Schülern schon im Anfangsunterricht. Dass z. B. mehr Einstrahlung zu einer größeren Temperaturerhöhung führt, dass das Abbremsen aus höherer Geschwindigkeit die Bremsen heißer macht, dass man durch zu viel Essen an Gewicht zunimmt, bietet naheliegende Zugänge zum Konzept der Erhaltung und Bilanzierung der Energie.
Im weiteren Verlauf der Sekundarstufe I nutzen
Schülerinnen und Schüler die energetische
Betrachtungsweise in verschiedenen Zusammenhängen. Sie
erkennen z.B., dass der Ablauf chemischer Reaktionen mit
Energieumsätzen verbunden ist. Sie beobachten und beschreiben
Energieumwandlungen in der Natur, z.B. bei der Fotosynthese oder bei
der Zellatmung, und in der Technik. Sie beschäftigen sich
später detaillierter mit Umwandlungsmechanismen, die mit
Kraftwirkungen verbunden sind (Arbeit) wie z. B. der Generierung
elektrischer Spannung, und nutzen zunehmend auch formale
Beschreibungen, um Energie zu bilanzieren.
Sie betrachten komplexere Vorgänge in Natur und Technik, bei
denen Energie mit der Umgebung ausgetauscht wird, unter systemischen
Aspekten.
Schließlich erkennen sie, dass Energie auch beim Aufbau der
Materie als Bindungsenergie eine wichtige Rolle spielt. Sie beobachten,
beschreiben und analysieren Prozesse, bei denen die in Materie
enthaltene Energie in chemischen und nuklearen Prozessen teilweise z.B.
in elektrische Energie oder Wärme gewandelt und so der
weiteren Nutzung zugeführt wird. Dabei nehmen sie auch
großtechnische Energieumsetzungen in Kraftwerken in den
Blick. Sie erkennen, dass bei thermischer Energie der nutzbare Anteil
durch die Temperaturdifferenz zur Umgebung bestimmt wird. Ein so weit
entwickeltes konzeptuelles Verständnis versetzt
Schülerinnen und Schüler auch in die Lage, Bedeutung
und Nutzen ebenso wie Gefahren der extensiven Energienutzung durch den
Menschen einzuschätzen und verschiedene Möglichkeiten
der Energiegewinnung, -aufbereitung und -nutzung unter
naturwissenschaftlich-technischen, wirtschaftlichen und
ökologischen Aspekten zu vergleichen und zu bewerten sowie
deren gesellschaftliche Relevanz und Akzeptanz zu diskutieren.
Basiskonzept
Struktur der Materie
Modelle von der Struktur der Materie sind Grundlage für das Verständnis der modernen Physik und Chemie. Atomvorstellungen haben dabei eine wichtige Funktion. Da es hier zu Überschneidungen kommt, ist dieses Basiskonzept in beiden Lehrplänen Physik und Chemie aufgenommen worden, um die notwendigen Absprachen zwischen den Fachkonferenzen zu ermöglichen.
Die Eigenschaften, die Zusammensetzung, die Veränderungen und der Ursprung von Materie gehören zu den grundlegenden Fragestellungen der Physik und Chemie. Dabei führt die makroskopische Sicht auf Materie zur Charakterisierung und Klassifizierung von Stoffen und ihren Eigenschaften, die submikroskopische Sicht nutzt je nach darzustellendem Zusammenhang Modelle zur Beschreibung des Aufbaus der Materie. Die Untersuchung stofflicher Phänomene (Zustände und Prozesse) und deren Deutung mit Hilfe von Modellen der submikroskopischen Ebene sind grundlegendes Anliegen des Unterrichts in den Fächern Chemie und Physik. Das Basiskonzept Materie fasst die wesentlichen Phänomene, experimentellen Befunde, logischen Überlegungen und Modelle zusammen, die die Naturwissenschaften zu den heutigen Vorstellungen vom Aufbau der Materie sowie von den Wechselwirkungen zwischen den die Materie aufbauenden kleinen Teilchen geführt haben.
Materie begegnet Schülerinnen und Schülern zunächst in Objekten aus ihrem täglichen Erfahrungsbereich (die Physik nennt sie Körper) und den Stoffen, aus denen sie bestehen und die ihre Eigenschaften bestimmen. Sie lernen, Körper und Stoffe nach ihrem Aussehen, ihren Eigenschaften und ihren Nutzungsmöglichkeiten zu unterscheiden, zu charakterisieren und zu klassifizieren. Körper besitzen z. B. Oberfläche, Masse und Volumen. Körper und Stoffe können gasförmig, flüssig oder fest sein. Stoffe haben charakteristische physikalische Eigenschaften wie z. B. Dichte, Schmelz- und Siedetemperatur und spezifische Leitfähigkeit und chemische Eigenschaften. Sie reagieren auf Erwärmung oder Abkühlung durch Änderung ihrer Dichte und können dabei gegebenenfalls auch ihren Aggregatzustand und damit ihre Erscheinungsform ändern. Einige Stoffe sind von Natur aus magnetisch bzw. magnetisierbar.
Stoffe können als reine Stoffe oder als Stoffgemenge vorliegen. Ein Gemenge entsteht durch physikalische Vorgänge (Mischen), wobei die Eigenschaften der reinen Stoffe (Elementsubstanzen, Verbindungen) erhalten bleiben. Ein Gemenge kann mit physikalischen Trennverfahren in seine Bestandteile (reine Stoffe) zerlegt werden.
Aus Elementsubstanzen (Stoffe aus einer Atomart) entstehen durch chemische Reaktionen chemische Verbindungen. Ihre Eigenschaften lassen sich nicht aus den Eigenschaften der Elementsubstanzen ableiten. Chemische Reaktionen bewirken also mehr als nur die Neuordnung der beteiligten Teilchen. Chemische Verbindungen lassen sich nur durch chemische Reaktionen wieder in Elementsubstanzen zerlegen.
Neben einer Beschreibung stofflicher Phänomene sollen Schülerinnen und Schüler schon sehr früh einfache Modelle zum Aufbau der Materie kennen lernen. Viele makroskopisch zu beobachtende Eigenschaften und Veränderungen von Stoffen lassen sich durch den Aufbau der Stoffe aus Atomen erklären, die unterschiedlich stark aneinander gebunden sein können. Aber schon einige elementare elektrische Erscheinungen wie elektrostatische Aufladungen sprechen dafür, dass die Atome wiederum aus positiven und negativen Bestandteilen bestehen müssen. Ein einfaches Kern-Hülle-Modell lässt also ein differenziertes Bild der „kleinen Teilchen“ entstehen und erklärt entsprechende Beobachtungen.
Atomkerne sind aus elektrisch positiv geladenen Protonen und elektrisch neutralen Neutronen aufgebaut. Chemische Elemente unterscheiden sich in der Anzahl ihrer Protonen. Ionen unterscheiden sich von den Atomen durch Überschuss oder Mangel an Elektronen. Radioaktive Isotope lassen sich später durch Elemente mit verschiedener Neutronenzahl charakterisieren, die den Atomkern instabil werden lassen. Während der Kern fast die gesamte Masse eines Atoms ausmacht, wird die räumliche Ausdehnung durch die Hülle aus Elektronen bestimmt.
Auf der Basis dieser Kenntnisse lernen Schülerinnen
und Schüler im Chemieunterricht die Aufbauprinzipien des
Periodensystems kennen. Sie nutzen es zunehmend für
Vorhersagen der Eigenschaften und des Reaktionsverhaltens von
Elementsubstanzen. Sie lernen, dass für die Eigenschaften
eines Stoffes nicht nur die Atomsorten und das
Atomanzahlverhältnis verantwortlich sind. Neben der atomaren
Zusammensetzung sind vor allem die Art und Weise der
Verknüpfung, der Wechselwirkung und des Zusammenhalts zwischen
den Teilchen, d. h. die Struktur eines Stoffes, für seine
Eigenschaften entscheidend. Das gilt sogar für Stoffe, die nur
aus einer einzigen Atomsorte bestehen (z.B. Diamant und Graphit).
Eine besondere Rolle spielen in der Physik die festen Körper.
Mit Hilfe des Schalenmodells lassen sich schon Bindungstypen in diesen
Körpern und damit Leiter, Halbleiter und Isolatoren
unterscheiden.
Im Physikunterricht erfolgt eine vertiefte Behandlung der
Radioaktivität und der Kernenergie. Die relativ einfachen
Teilchenmodelle der Sekundarstufe I werden im Physikunterricht der
gymnasialen Oberstufe mit Hilfe von quantenphysikalischen Vorstellungen
weiter differenziert.
Basiskonzept
System
Physikalische Systeme sind strukturierte Einheiten. Sie umfassen mehrere Komponenten, die so in Beziehung zueinander stehen und miteinander wechselwirken, dass sie aus übergeordneter Sicht als eine Einheit angesehen werden können. Man unterscheidet zwei Sichtweisen auf Systeme. Auf der Makroebene betrachtet man ein System und seine Eigenschaften als Ganzes von außen. Auf der Mikroebene betrachtet man die Komponenten eines Systems und ihr Zusammenwirken. Die Eigenschaften eines Systems (auf der Makroebene) werden durch seine Komponenten und deren Wechselwirkungen (auf der Mikroebene) bestimmt. Sie gehen in der Regel über die Summe der Eigenschaften der einzelnen Komponenten hinaus.
Physikalische Systeme sind in der Regel offen, lassen sich aber nach außen klar abgrenzen, um modellhaft das Geschehen in ihnen und ihre Wechselwirkung mit der Umgebung beschreiben zu können. Die Grenzen werden willkürlich so gezogen, dass sich Prozesse innerhalb des Systems und der Austausch (z. B. von Energie, Stoffen oder Informationen) mit der Umgebung bzw. mit anderen Systemen klar unterscheiden lassen. Systeme, deren Wechselwirkung mit der Umgebung für die Betrachtungen modellhaft vernachlässigt werden kann oder soll, werden als abgeschlossene Systeme bezeichnet. Welche Betrachtungsweise man wählt, hängt u. a. davon ab, ob man Prozesse innerhalb des Systems (auf der Mikroebene) oder, im Gegensatz dazu, gerade die Austauschprozesse mit der Umgebung bzw. mit anderen Systemen (Makroebene) in den Blick nehmen will.
Physikalische Systeme können stationäre
Zustände (Gleichgewichtszustände) besitzen. Offene
Systeme können sich mit ihrer Umgebung in einem durch
Austauschprozesse bestimmten dynamischen Gleichgewicht befinden (z. B.
ein Treibhaus oder die Erde im Weltraum). Störungen des
Gleichgewichts führen typischerweise zu Veränderungen
innerhalb des Systems und der in ihm ablaufenden Prozesse (z. B. in
Form von Strömungen, Kreisläufen oder periodischen
Abläufen bzw. Änderungen von
Zustandsgrößen). Auf der Makroebene lassen sich
bereits ohne Kenntnis der Mikroebene
Gesetzmäßigkeiten zwischen
äußeren Einflüssen und den Reaktionen des
Systems erkennen und beschreiben. Erklärt werden
können diese Gesetzmäßigkeiten aber nur
durch die Struktur und die Wechselwirkungen innerhalb des Systems.
Diese Aussagen treffen im Grundsatz auf alle Systeme zu, auch solche,
die in den anderen Naturwissenschaften und in der Technik betrachtet
werden. Vergleicht man sie mit denen zum Basiskonzept System
für den Biologieunterricht, so wird deutlich, dass in beiden
Fächern ein vergleichbares Begriffsverständnis
besteht.
Viele Phänomene und Funktionsweisen von Gegenständen des Alltags lassen sich mit Blick auf das System besser beschreiben und verstehen. Schon recht einfach aufgebaute Geräte, wie z. B. Fahrräder, bestehen aus mehreren Komponenten, die miteinander wechselwirken und die Gesamtfunktion des Systems Fahrrad bestimmen. Die Funktionen der verschiedenen Komponenten können in Form von Wirkungs- und Energieübertragungsketten in einen Zusammenhang gebracht werden. Dabei ist es nicht zwingend notwendig die Funktionsweise aller Subsysteme (z. B. des Dynamos) erklären zu können. Umgekehrt können Komponenten technischer Geräte (mechanische, elektrische, optische) identifiziert und ihre Funktionsweisen unter Verwendung physikalischer Prinzipien näher untersucht werden.
Andererseits erschließt eine systemische Sicht die Möglichkeit, Systeme (z. B. komplexe Bauelemente in Alltagsgeräten oder elektronische Bauelemente) durch Darstellung der Zusammenhänge von Input und Output in ihrer Wirkung auf der Makroebene zu beschreiben, ohne das Zusammenwirken der Komponenten auf der Mikroebene betrachten zu müssen.
Energiebetrachtungen erfordern von Anfang an eine systemische Sicht. Viele der bei Speicherung, Transport, Wandlung und Entwertung von Energie auf der Mikroebene ablaufenden Prozesse können in der Sekundarstufe I zunächst nicht oder nicht in allen Details geklärt werden. Dennoch ist es möglich, das energetische Verhalten von Systemen (z. B. von Energiewandlern oder temporären Energiespeichern), also den Zusammenhang zwischen dem Energiezufluss in das System hinein und dem Energieabfluss aus dem System heraus, auf der Makroebene zu erkennen und zu beschreiben. Gerade darin liegt eine der wesentlichen Stärken energetischer Betrachtungen.
Recht früh können auch schon Systeme mit thermischen Kreisläufen behandelt werden, wie sie sich etwa in Wetterphänomenen zeigen. Die Wirkungen der Sonneneinstrahlung, die Entstehung von Hoch- und Tiefdruckzonen, von Winden, Wolken und Niederschlägen können zum Anlass genommen werden, die beteiligten Komponenten und ihre Wechselwirkungen zu untersuchen und Zusammenhänge zwischen ihnen herzustellen.
Im Laufe des Physikunterrichts können zunehmend komplexere Systeme betrachtet werden. Im Anfangsunterricht lernen Kinder zum Beispiel, Komponenten zu identifizieren, die für einen einfachen elektrischen Stromkreis unerlässlich sind. Mit zunehmender Kenntnis des Zusammenwirkens dieser Komponenten ist es möglich, die Funktionsweise von komplexeren Schaltungen und später von Stromnetzen zu beschreiben und zu erklären.
Mit zunehmender Erfahrung lernen Schülerinnen und Schüler, zwischen offenen und geschlossenen Systemen zu unterscheiden und den Austausch bzw. die Wechselwirkung innerhalb und zwischen Systemen zu beschreiben. Auf diese Weise werden sie in die Lage versetzt, z. B. Maschinen, Antriebe, elektronische und medizinische Geräte und Energieversorgungseinrichtungen in ihren Funktionsweisen und Wirkungen zu analysieren und zu verstehen. Auf dieser Ebene der Erkenntnis erkennen sie dann auch die Parallelen zwischen dem Systemverständnis der Biologie und der Physik. Der besondere Wert einer systemischen Sichtweise für das Lernen von Physik besteht darin, dass sie problemorientierte Fragestellungen herausfordert. Außerdem ermöglicht sie die Betrachtung komplexerer Zusammenhänge und damit ein tieferes naturwissenschaftliches Verständnis. Sie wirkt damit einer Fragmentierung des Wissens in unverbundene Teilaspekte entgegen.
Basiskonzept
Wechselwirkung
Es ist ständiges Bestreben der Physik, kausale oder in einigen Fällen auch statistische Beziehungen für natürliche Abläufe zu finden, Vorgänge aus bestehenden Bedingungen vorherzusagen und sie für Forschung oder technische Anwendungen kontrolliert reproduzieren zu können. Veränderungen, also Zusammenhänge zwischen Ursachen und Wirkungen, werden über Wechselwirkungen vermittelt. In der Physik sollen diese eindeutig erfasst, insbesondere auch messbar gemacht werden.
Fragen nach kausalen Zusammenhängen werden von Kindern schon sehr früh gestellt. Das hängt auch damit zusammen, dass sich viele Zusammenhänge in der Regel nicht direkt durch Beobachtungen ergeben, sondern durch Deutungen hergestellt werden müssen. Wirkungen werden für Kinder in vielen alltäglichen Zusammenhängen sichtbar. Sie beobachten z. B. Veränderungen der Form oder der Bewegungen im Raum, wenn Dinge im direkten Kontakt über Kräfte aufeinander einwirken. Vorgänge dieser Art werden zunächst oft spielerisch ausprobiert, körperliche Erfahrungen sind dabei von besonderer Bedeutung. Auf dieser Basis lässt sich schon früh ein physikalisches Kraftkonzept entwickeln, wobei deutlich werden muss, dass Kräfte nur über ihre Wirkungen sichtbar und damit auch vergleichbar und letztlich messbar werden. In vielen Zusammenhängen (Mechanik, Magnetismus, Elektrizität, Verhalten von Flüssigkeiten und Gasen, Hydrostatik) lässt sich ein solches Kraftkonzept schon früh nutzen, um über Änderungen der Form eines Körpers oder seines Bewegungszustands auf das Vorhandensein von Kräften zu schließen und die Ursachen für diese Kräfte näher zu untersuchen.
Im Laufe des Unterrichts lernen Schülerinnen und Schüler verschiedene Kräfte und Verfahren zur quantitativen Erfassung kennen. Sie kommen auch zu funktionalen Zusammenhängen zwischen Kräften und ihren Wirkungen. Dabei sind schließlich die drei Newtonschen Gesetze von besonderer Bedeutung, da diese allgemein gültige Vorhersagen zu Kraftwirkungen in allen möglichen Situationen machen und, je nach Lage, nur die jeweils auftretenden Kräfte eingesetzt werden müssen.
In bestimmten Fällen wechselwirken Körper nicht durch direkten Kontakt miteinander, sondern es besteht eine Fernwirkung. Schülerinnen und Schüler können derartige Fernwirkungen über Magnete und über elektrische Aufladungen erfahren. Später lernen sie zusätzlich das Konzept der Gravitation kennen. Fernwirkungen lassen sich durch Felder beschreiben, die den Raum zwischen zwei Körpern ausfüllen und die Wirkung übertragen. Formal lassen sich diese Felder durch Kraftwirkungen auf einen Probekörper beschreiben, bei magnetischen Feldern ist dieser ein stromdurchflossenes Leiterstück, bei elektrischen Feldern eine Probeladung und bei Gravitationsfeldern eine Probemasse.
Wechselwirkungen spielen schließlich auch bei Strahlung eine Rolle. Schülerinnen und Schüler erfahren körperlich die Wirkung von Wärmestrahlung und Licht, etwas indirekter auch von UV-Strahlung. Im Physikunterricht untersuchen sie weitere Wechselwirkungen mit besonderen Körpern. Licht etwa kann unter bestimmten Bedingungen reflektiert, absorbiert, gebrochen oder auch in Farbbestandteile zerlegt werden. Strahlung kann aber auch den Körper verändern, mit dem sie wechselwirkt. Dies gilt in besonderem Maße für hochenergetische ionisierende elektromagnetische Strahlung und für Strahlung von Teilchen aus radioaktiven Zerfällen.
Die Betrachtung physikalischer Wechselwirkungen schlägt eine Brücke von der klassischen zur modernen Physik. Sie ist eine Hilfe zur Erklärung vieler Phänomene, die im Physikunterricht eine große Rolle spielen, und zu deren konzeptioneller Verbindung. Außerdem bietet sie die Voraussetzung zum Verständnis eines abstrakten Feldbegriffs in der gymnasialen Oberstufe. Bei der Betrachtung von Vorgängen unter der Perspektive Wechselwirkung erkennen Schülerinnen und Schüler die Notwendigkeit, Zusammenhänge zwischen Ursachen und Wirkungen herstellen und erklären zu können. Die Suche nach kausalen Erklärungen natürlicher Vorgänge befördert dabei die rationale Auseinandersetzung mit den Phänomenen.
3.3 Konzeptbezogene Kompetenzen im Fach Physik
Kompetenzen
zum Basiskonzept „Energie“
| Bis Ende von Jahrgang 6 | Bis Ende von Jahrgang 9 | |
| Stufe I | Stufe II | |
| Die Schülerinnen und Schüler haben das Energiekonzept auf der Grundlage einfacher Beispiele so weit entwickelt, dass sie ... | Die Schülerinnen und Schüler haben das Energiekonzept erweitert und so weit auch formal entwickelt, dass sie ... | Die Schülerinnen und Schüler können mithilfe des Energiekonzepts Beobachtungen und Phänomene erklären sowie Vorgänge teilweise formal beschreiben und Ergebnisse vorhersagen, sodass sie ... |
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Kompetenzen
zum Basiskonzept „Struktur der Materie“
| Bis Ende von Jahrgang 6 | Bis Ende von Jahrgang 9 | |
| Stufe I | Stufe II | |
| Die Schülerinnen und Schüler haben das Materiekonzept an Hand von Phänomenen hinsichtlich einer einfachen Teilchenvorstellung so weit entwickelt, dass sie ... | Die Schülerinnen und Schüler haben das Materiekonzept durch die Erweiterung der Teilchenvorstellung so weit formal entwickelt, dass sie ... | Die Schülerinnen und Schüler können mithilfe des Materiekonzepts Beobachtungen und Phänomene erklären sowie Vorgänge teilweise formal beschreiben und Ergebnisse vorhersagen, sodass sie ... |
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Kompetenzen
zum Basiskonzept „System“
| Bis Ende von Jahrgang 6 | Bis Ende von Jahrgang 9 | |
| Stufe I | Stufe II | |
| Die Schülerinnen und Schüler haben das Systemkonzept auf der Grundlage ausgewählter Phänomene aus Natur und Technik so weit entwickelt, dass sie ... | Die Schülerinnen und Schüler haben das Systemkonzept so weit erweitert, dass sie ... | Die Schülerinnen und Schüler können mithilfe des Systemkonzepts auch auf formalem Niveau Beobachtungen und Phänomene erklären sowie Vorgänge beschreiben, sodass sie ... |
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Kompetenzen
zum Basiskonzept „Wechselwirkung“
| Bis Ende von Jahrgang 6 | Bis Ende Jahrgangsstufe 9 | |
| Stufe I | Stufe II | |
| Die Schülerinnen und Schüler haben das Wechselwirkungskonzept an einfachen Beispielen so weit entwickelt, dass sie ... | Die Schülerinnen und Schüler haben das Wechselwirkungskonzept erweitert und so weit formal entwickelt, dass sie ... | Die Schülerinnen und Schüler können mithilfe des Wechselwirkungskonzepts auch auf formalem Niveau Beobachtungen und Phänomene erklären sowie Vorgänge beschreiben und Ergebnisse vorhersagen, sodass sie ... |
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