4. Inhaltsfelder und fachliche Kontexte für das Fach Biologie

Der Unterricht in den Fächern Biologie, Chemie und Physik in den Jahrgangsstufen 5 bis 9 wird durch Inhaltsfelder und fachliche Kontexte strukturiert, die in einem thematischen Zusammenhang stehen und denen geeignete fachliche Kontexte zugeordnet werden.

Letztere ermöglichen eine schülerorientierte Erarbeitung biologischer Sachverhalte, die Entwicklung und Nutzung fachlicher Kompetenzen und die Kommunikation und Reflexion naturwissenschaftlicher Aussagen. Sie knüpfen an Erfahrungen und an Vorwissen der Schülerinnen und Schüler an und greifen diese unter relevanten Fragestellungen auf, die mit naturwissenschaftlichen Verfahren bearbeitet werden können. Damit ermöglichen sie Zugänge zu einer naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise der Welt. Sie schaffen die Möglichkeit, prozessbezogene und konzeptbezogene Kompetenzen zu erwerben und Basiskonzepte weiter zu entwickeln.

Geeignete Kontexte genügen in der Regel folgenden Kriterien:

  • Sie bieten Schülerinnen und Schülern Gelegenheiten, Kompetenzen zu entwickeln und erworbene Kompetenzen in unterschiedlichen Bereichen sinnvoll und erfolgreich anzuwenden.
  • Sie tragen zur Entwicklung der Basiskonzepte bei.
  • Sie erhalten durch ihren Bezug zu Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler besondere Bedeutung.
  • Sie bieten Schülerinnen und Schülern vielfältige Handlungsmöglichkeiten für einen aktiven Lernprozess.
  • Sie verbinden Konzepte, Sichtweisen und Verfahren der Fächer Biologie, Physik und Chemie.

In diesem Zusammenhang ist Folgendes zu beachten:

Alle Inhaltsfelder mit ihren Schwerpunkten sind verbindlich, ebenso das Arbeiten in fachlichen, zusammenhängenden Kontexten. Werden andere als die vorgeschlagenen Kontexte gewählt, müssen diese gleichwertig sein und die Fachkonferenz muss hierüber einheitlich verbindlich entscheiden.
Dabei ist zu beachten, dass die Kompetenzen in ihrer Gesamtheit bis Klasse 9 erreicht werden können.

Die in der Übersicht angegebene Abfolge der Inhaltsfelder folgt einer an den Kompetenzen orientierten Entwicklung. Sie ist allerdings nicht starr, sondern kann durch die Fachkonferenzen didaktisch begründet verändert werden. Die Stundentafeln der Fächer Biologie, Chemie und Physik sowie organisatorische Entscheidungen der einzelnen Schule müssen ebenfalls aufeinander abgestimmt werden. Dabei ist besonders darauf zu achten, dass ein aufbauender Kompetenzerwerb in Konzepten und Prozessen weiterhin gesichert ist. Ebenso sind die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit der Fächer zu nutzen.

Inhaltsfelder mit zugeordneten Kontexten sollten möglichst in einem zusammenhängenden Abschnitt unterrichtet werden. Eine Aufteilung kann jedoch sinnvoll sein, wenn der Unterricht z. B. an aktuelle Ereignisse angepasst wird. Der zeitliche Umfang für die Behandlung kann durch Tiefe und Breite der Ausgestaltung variiert werden. Ein ausgewogenes Verhältnis der fachlichen Kontexte bezogen auf ihren zeitlichen Umfang ist dabei anzustreben.

Zur Nutzung von Synergieeffekten ist eine Zusammenarbeit der Fachkonferenzen Biologie, Chemie und Physik erforderlich. Dabei geht es um Absprachen im inhaltlichen, methodischen und organisatorischen Bereich ebenso wie um das gemeinsame Verständnis von Konzepten. Es ist Aufgabe der Fachkonferenzen, diese Zusammenarbeit und die Bezüge zu planen und festzulegen.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe übergeordneter Fragestellungen (Gesundheit, Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung, Umweltschutz, ethische Fragen, Verantwortung der Naturwissenschaften…), die im Unterricht nicht isoliert betrachtet werden sollten. Absprachen innerhalb und zwischen den Fachkonferenzen notwendig, um Redundanzen zu vermeiden.

In diesen und anderen geeigneten Zusammenhängen sind auch Kooperationen mit anderen Fächern wie Mathematik, Erdkunde, Deutsch, Englisch, Kunst, Technik oder Religionslehre möglich.

Jahrgangsstufe 5/6

Inhaltsfelder
Fachliche Kontexte
Die obligatorisch zu erwerbenden zugehörigen Kompetenzen finden sich im Kapitel 3.1 und 3.3.Die nachfolgend vorgeschlagenen Kontexte können durch gleichwertige ersetzt werden, wenn die Fachkonferenz dies für die Schule einheitlich beschließt.
Vielfalt von Lebewesen
Pflanzen und Tiere in verschiedenen Lebensräumen
Bauplan der Blütenpflanzen, Fortpflanzung, Entwicklung und Verbreitung bei Samenpflanzen, Angepasstheit von Tieren an verschiedene Lebensräume (Aspekte Ernährung und Fortbewegung), Unterscheidung zwischen Wirbeltieren und Wirbellosen, Nutzpflanzen und Nutztiere, Biotop- und Artenschutz
  • Was lebt in meiner Nachbarschaft?
  • Pflanzen und Tiere, die nützen
  • Naturschutz
Bau und Leistungen des menschlichen KörpersGesundheitsbewusstes Leben
Ernährung und Verdauung, Bewegungssystem, Atmung und Blutkreislauf, Suchtprophylaxe
  • Lecker und gesund
  • Bewegung – Teamarbeit für den ganzen Körper
  • Aktiv werden für ein gesundheitsbewusstes Leben
Angepasstheit von Pflanzen und Tieren an die JahreszeitenTiere und Pflanzen im Jahreslauf
Blattaufbau, Zellen, Fotosynthese, Produzenten, Konsumenten, Angepasstheit von Pflanzen an den Jahresrhythmus, Wärmehaushalt, Überwinterung, Entwicklung exemplarischer Vertreter der Wirbeltierklassen und eines Vertreters der Gliedertiere
  • Ohne Sonne kein Leben
  • Pflanzen und Tiere – Leben mit den Jahreszeiten
  • Extreme Lebensräume – Lebewesen aus aller Welt
Überblick und Vergleich von Sinnesorganen des MenschenDie Umwelt erleben: die Sinnesorgane
Aufbau und Funktion von Ohr oder Auge des Menschen, Reizaufnahme und Informationsverarbeitung beim Menschen, Sinnesleistungen bei Tieren (Orientierungsaspekt und Vergleich zum Menschen)
  • Sicher im Straßenverkehr – Sinnesorgane helfen
  • Tiere als Sinnesspezialisten
Sexualerziehung
Veränderungen in der Pubertät, Bau und Funktion der Geschlechtsorgane, Paarbindung, Geschlechtsverkehr, Empfängnis, Empfängnisverhütung, Schwangerschaft und Geburt, Entwicklung vom Säugling zum Kleinkind

Es gelten die Richtlinien zur Sexualerziehung!

Jahrgangsstufe 7/9

Inhaltsfelder
Fachliche Kontexte
Energiefluss und Stoffkreisläufe
Regeln der Natur
Erkundung und Beschreibung eines ausgewählten Biotops (Produzenten, Konsumenten, Destruenten), Nahrungsbeziehungen, Energieumwandlung, Energiefluss, offene Systeme, Veränderung von Ökosystemen durch Eingriffe des Menschen, Biotop- und Artenschutz an ausgewählten Beispielen, Treibhauseffekt und Nachhaltigkeit
  • Erkunden eines Ökosystems
  • Treibhauseffekt – die Biosphäre verändert sich
Evolutionäre EntwicklungVielfalt und Veränderung – eine Reise durch die Erdgeschichte
Erdzeitalter, Datierung, Stammesentwicklung der Wirbeltiere und des Menschen, Evolutionsmechanismen, Wege der Erkenntnisgewinnung am Beispiel evolutionsbiologischer Forschung
  • Den Fossilien auf der Spur
  • Lebewesen und Lebensräume – dauernd in Veränderung
  • Vielfalt der Lebewesen als Ressource
Kommunikation und RegulationErkennen und reagieren
Bau und Funktion des Nervensystems mit ZNS im Zusammenhang mit Sinnesorgan und Effektor, Bakterien, Viren, Parasiten (Malaria), Immunsystem, Impfung, Allergie, Regulation durch Hormone, Regelkreis
  • Signale: senden, empfangen und verarbeiten
  • Krankheitserreger erkennen und abwehren
  • Nicht zu viel und nicht zu wenig: Zucker im Blut
Grundlagen der VererbungGene – Bauanleitungen für Lebewesen
dominant/rezessive und kodominante Vererbung, Erbanlagen, Chromosomen, Genotypische Geschlechtsbestimmung, Veränderungen des Erbgutes
  • Gene – Puzzle des Lebens
  • Genetische Familienberatung
Individualentwicklung des MenschenStationen eines Lebens – Verantwortung für das Leben
Fortpflanzung und Entwicklung (Befruchtung, Embryonalentwicklung, Geburt, Tod), Anwendung moderner medizintechnischer Verfahren, Grundlagen gesundheitsbewusster Ernährung, Gefahren von Drogen, Bau und Funktion der Niere und Bedeutung als Transplantationsorgan
  • Embryonen und Embryonenschutz
  • Verantwortlicher Umgang mit dem eigenen Körper
  • Organspender werden?
Sexualerziehung
Mensch und Partnerschaft,
Bau und Funktion der Geschlechtsorgane,
Familienplanung und Empfängnisverhütung

Es gelten die Richtlinien zur Sexualerziehung!

Sexualerziehung

Für die Sexualerziehung gelten die Richtlinien für die Sexualerziehung in Nordrhein–Westfalen. Die Sexualerziehung gehört zum Erziehungsauftrag der Schule, an dem mehrere Fächer beteiligt sind. Sie ergänzt die Sexualerziehung durch die Eltern. Ihr Ziel ist es, die Schülerinnen und Schüler altersgemäß mit biologischen, ethischen, sozialen und kulturellen Fragen der Sexualität vertraut zu machen.

Die einzelne Schule hat die Aufgabe, thematische Schwerpunkte für die einzelnen Jahrgänge sowie Grundsätze für eine altersgerechte Umsetzung der Sexualerziehung in einem schuleigenen Arbeitsplan festzulegen, der mit den Lehrplänen der beteiligten Fächer abzustimmen ist. Als Teil der Gesamterziehung ist die Sexualerziehung Aufgabe aller Lehrerinnen und Lehrer, die im Verlauf der Schulzeit in einer Klasse unterrichten. In Klassen- bzw. Jahrgangsstufenkonferenzen und in den Fachkonferenzen werden Inhalte und Zuständigkeiten der Umsetzung des schuleigenen Arbeitsplans zur Sexualerziehung als Bestandteil des Schulprogramms verbindlich abgesprochen.

Dabei ist zu beachten, dass im Biologieunterricht in den Jahrgangsstufen 5/6 und 7 – 9 dafür ein angemessenes Stundenkontingent bereitzustellen ist.