Projektkurse SII

Projektkurs im Rahmen des Faches Sport

Thema des Projektkurses:

„Olympia – eine Idee, verschiedene Perspektiven“

Maria-Wächtler-Gymnasium
Rosastr. 75
45130 Essen

 

8.1 Formaler Projektrahmen

Das Fach Sport hat am Maria-Wächtler-Gymnasium Essen einen sehr hohen Stellenwert. Beginnend mit einem im Schulprogramm verankerten Sportförderunterricht über zahlreiche Teilnahmen an den Wettkämpfen „Jugend trainiert für Olympia“ und einem Skikompaktkurs in der Jahrgangsstufe 10 als Teil des Sportunterrichtes bis zur Teilnahme am Modellversuch „Sport als 4. Abiturfach“ reicht die Bandbreite der sportlichen Aktivitäten.

Für die Teilnahme an diesem Projektkurs, der neben Sport als Referenzfach auch Bezüge zu den Gesellschafts- und Naturwissenschaften beinhaltete, gab es ein großes Interesse in der Jahrgangsstufe 12. Nach einer ersten einführenden Sitzung bildete sich eine arbeitsfähige Gruppe, die durch die Lehrkräfte Oliver Peters und Markus Ueberholz begleitet wurde. Das Thema lautete „Olympia – eine Idee, verschiedene Perspektiven“. Die olympische Idee, ihre Historie und die Möglichkeit eines mehrperspektivischen Ansatzes und Herangehens haben dabei zur Entstehung des Themas beigetragen.

 

8.2 Projektziele, Teilprojekte und Kompetenzen

An den Olympischen Spielen in Peking 2008 verdeutlichte sich wieder einmal die besondere Bedeutung dieser Sportveranstaltung. Die Medienpräsenz der sportlichen Aktivitäten während der Olympischen Spiele selbst, die positiv nationale Stimmung beim Mitfiebern mit den Sportlerinnen und Sportlern, aber auch die Auswirkungen auf das weltpolitische Geschehen sowie die intensive, wechselseitige Einflussnahme von Politik und Sport vor, während und nach den Tagen von Peking haben die unvergleichliche Dimension dieser Sportveranstaltung bewiesen. In der Präsentation und Bewertung von Spitzenleistungen sowie dem Interesse an verschiedenartigen Sportarten zeigt sich die Vielschichtigkeit der Olympischen Spiele.

Intendierte übergreifende Ziele des Projekts bezogen auf den Sport betreffen im besonderen Maße die Vielfalt möglicher Perspektiven und die Rolle als Integrationsfach. Den Schülerinnen und Schülern sollen neben dem im Sport allgegenwärtigen Leistungsaspekt auch die Bedeutung der gesellschaftlichen und gesellschaftspolitischen Bezüge sowie Auswirkungen des Sportes bewusst gemacht werden. Die vertiefte Behandlung dieser Aspekte stellt eine Erweiterung der sonst üblichen Themen im Sportunterricht dar.

Im Einzelnen gliedert sich das Projekt in folgende vier Teilprojekte:

  • Höher - Schneller - Weiter!? - Die Grenzen der Leistungsfähigkeit aus biomechanischer und trainingswissenschaftlicher Sicht
  • Olympia in Essen – regionale Bezüge der olympischen Bewegung
  • Tauziehen oder Baseball? – Olympische Spiele im Wandel der Zeit
  • Berlin 1936 – Die Instrumentalisierung der Olympischen Spiele

Der Projektkurs berücksichtigt die Kompetenzorientierung, die sich in den Kompetenzbereichen Sach-, Methoden- und Urteilskompetenz niederschlägt.

Sachkompetenz

Schülerinnen und Schüler können

  • den Funktionszusammenhang von Training und sportlicher Leistung erkennen und bewerten, indem sie
    • das biologische Basiskonzept von Struktur und Funktion auf den Muskelaufbau anwenden,
    • das Zustandekommen von sportlicher Leistung muskelphysiologisch erklären,
  • die biomechanischen Grenzen der Leistungsfähigkeit verstehen, indem sie
    • biomechanische Prinzipien verstehen,
    • mechanische Grenzen der Belastbarkeit des Muskel-Sehnen-Apparats nachvollziehen,
  • die Entwicklung der Olympischen Spiele mehrperspektivisch nachvollziehen, indem sie
    • an einem ausgewählten Beispiel (Berlin 1936) die historische Entwicklung nachzeichnen,
    • historische Spiele mit Olympiaden der letzten zwei Jahrzehnte vergleichen,
  • die Einflussnahme seitens der Politik und Medien auf die Olympischen Spiele am Beispiel Atlanta/Peking erkennen und bewerten, indem sie
    • die Vergabekriterien für Olympische Spiele nachvollziehen,
    • Beeinflussungen durch internationale Organisationen erkennen.

Methodenkompetenz

Schülerinnen und Schüler können

  • ein Portfolio erstellen,
  • unterschiedliche Formen der Informationsbeschaffung anwenden (Internet, E-Mail, öffentliche und universitäre Bibliotheken),
  • Informationen strukturieren, reorganisieren und aufbereiten,
  • Gruppenergebnisse präsentieren (visualisieren, referieren, illustrieren) und zusammenfassen.

Urteilskompetenz

Schülerinnen und Schüler können

  • Arbeitsprozesse strukturieren und bewerten, indem sie
    • Arbeitsaufträge selbstständig erstellen, umsetzen und reflektieren,
    • realistische Zeitpläne eigenständig entwickeln, einhalten und beurteilen,
    • ihre eigene Tätigkeit kritisch, fachbezogen und sachlich fundiert reflektieren,
  • ein komplexes und langfristiges Arbeitsvorhaben eigenständig und kooperativ durchführen sowie evaluieren, indem sie
    • die Arbeitsschritte in der Gruppe möglichst eigenverantwortlich planen und bewerten,
    • individuelle Arbeitsaufträge verteilen und reflektieren,
    • die geleistete Arbeit evaluieren,
  • eigene Standpunkte entwickeln und vertreten, indem sie 
    • Ergebnisse in der Gruppe präsentieren und gegebenenfalls kontrovers diskutieren,
    • eigene und fremde Positionen kritisch hinterfragen,
  • Mehrheitsfähigkeit entwickeln, indem sie 
    • andere Meinungen akzeptieren,
    • in der Gruppe zu einem gemeinsamen Ergebnis kommen.

 

8.3 Umsetzungsschritte / Durchführung

In der nachfolgenden Übersicht sind die einzelnen Arbeitsschritte dargestellt, die bis zur Produktpräsentation und der abschließenden Evaluation notwendig waren. Dazu ist anzumerken, dass sich im Verlauf der Arbeit gezeigt hat, dass die Zeit in den Doppelstunden an der einen oder anderen Stelle nicht ausreicht, um sich vertieft mit der Thematik auseinanderzusetzen. Aus diesem Grund wurden im zweiten Halbjahr zwei Blockveranstaltungen durchgeführt, die schwerpunktmäßig vor allem zur Erstellung der Produkte genutzt wurden.

Arbeitsablauf:

Die für die nachfolgenden Arbeitsphasen angegebenen Doppelstunden stellen immer nur einen möglichen Rahmen für die jeweilige Phase dar.

1. Organisation und Rahmenvorgaben des Projektkurses (2 Doppelstunden)

In diesem ersten Block geht es darum, eine organisatorische und methodische Vorentlastung im Hinblick auf den weiteren Verlauf des Projektkurses zu schaffen. Die Schüler und Schülerinnen erhalten zunächst einen groben Überblick zum Verlauf, zur Arbeitsweise, zur Zielsetzung und zur thematischen Rahmenvorgabe des Projektkurses. Der Lehrer informiert über die unterschiedlichen Möglichkeiten der Einbringung in die Gesamtqualifikation (Modell A oder B). In diesem Zusammenhang werden auch die zusätzlichen Anforderungen für eine „Besondere Lernleistung“ erläutert.

Vor diesem Hintergrund wird auch auf die besonderen Anforderungen und Chancen (hohe Eigenmotivation, Arbeiten im Team, Produktorientierung etc.) hingewiesen, die diese besondere Form des Unterrichts beinhaltet. Außerdem werden organisatorische Fragen geklärt und ein allgemeiner E-Mail-Verteiler erstellt.

In einem zweiten Schritt bekommen die Schüler und Schülerinnen eine genauere Einführung bezüglich der Leistungsanforderungen und -erwartungen (siehe auch Kapitel zur Leistungsbewertung). Es muss an dieser Stelle deutlich werden, dass zwar eine starke Produktorientierung aufgrund der Rahmenbedingungen gegeben ist, aber auf der anderen Seite natürlich auch im Arbeitsprozess immer wieder Leistung erbracht und deutlich werden muss. Für die prozesshafte Leistungsmessung, die zum einen auf der Beobachtung der Lehrkraft in den längeren Gruppenarbeitsphasen und zum anderen auf Leistungen im Bereich der Dokumentation und Darstellung von Zwischenergebnissen (Portfolio, Arbeitsberichte im Plenum, individuelle und arbeitsteilige Ergebnisse) beruht, ist es immanent wichtig, dass sich die Gruppen in Bezug auf ihre Zielsetzungen selbst hinterfragen und Probleme auch auf der Meta-Ebene verbalisieren.

Da die Arbeit mit einem Portfolio nicht bei allen bekannt ist, wird diese Form noch einmal in einer Präsentation vorgestellt.

Für das zu erstellende Produkt gibt es eine große Bandbreite an Ideen, zum Teil auch alternativer Art (etwa Kurzfilm, Radiosendung, geleitete Podiumsdiskussion etc.), die vielleicht nicht jedem Schüler sofort einsichtig sind. An dieser Stelle kann die Lehrkraft ggf. unterschiedliche Möglichkeiten aufzeigen und gelungene Beispiele aus anderen Bereichen vorstellen.

2. Inhaltliche Strukturierung und Themenfindung (3 Doppelstunden + Exkursion)

Verbunden mit einem Besuch des Olympiamuseums in Köln und einer geleiteten Führung bekommen die Schüler in einem zweiten Schritt eine Vorstellung von der Vielschichtigkeit des Themas und können bereits vor Ort interessenorientiert erste Recherchen durchführen.

Im Nachgang der Exkursion werden dann mögliche Themen gesichtet und im Hinblick auf den Umfang und zu erwartende Schwierigkeiten beurteilt. Bereits zu diesem Zeitpunkt ist es für die betreuende Lehrkraft unabdingbar, dass sie sich mit möglichen Themen auseinandergesetzt hat, damit sie die Schüler und Schülerinnen zielorientiert beraten kann und den Fokus auf geeignete Themenkomplexe wirft.

Aufgrund der Vorüberlegungen werden in Absprache mit der Lehrkraft Themenkomplexe ausgewählt, und die Schüler und Schülerinnen ordnen sich selbstständig einer Thematik zu. Hier ist viel Fingerspitzengefühl gefragt angesichts möglichst hoher Schülerorientierung und Mitsprache einerseits und lenkender Einflussnahme aufgrund von Sachzwängen durch die Lehrkraft andererseits. Es gilt zu vermeiden, dass sich nach einer längeren Erarbeitungsphase herausstellt, dass die gewählte Thematik den Anforderungen des Projektkurses nicht genügt und die Schüler und Schülerinnen sich dann noch einmal komplett neu orientieren müssen.

Um eine größtmögliche Selbstständigkeit der Schüler und Schülerinnen zu erreichen, wäre es sinnvoll, wenn bereits zu diesem Zeitpunkt eine Grundlage an wissenschaftlicher Sekundärliteratur zur Verfügung steht (Seminarapparat, Vorschläge s. Literaturverzeichnis), damit die Themen auf ihre inhaltliche Ergiebigkeit geprüft werden können.

An dieser Stelle können sich eventuell auch Probleme bei der gleichmäßigen Verteilung der Teilgruppen ergeben. Dieses sollte dann vor dem Hintergrund der gemeinsamen Ziele einvernehmlich geklärt werden.

Nach der Festlegung auf ein übergeordnetes Thema muss die Gruppe dieses weiter ausschärfen und inhaltliche Schwerpunkte setzen. Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung müssen auch zu diesem sehr frühen Zeitpunkt organisatorische Rahmenbedingungen überlegt werden. Dieses gilt zum Beispiel für die Zusammenarbeit mit außerschulischen Personen (Interviews) oder Institutionen (Terminanfragen, Informationsbeschaffung etc.). Alle diese Überlegungen werden in einer groben Zeit- und Planungsleiste von den Schülern und Schülerinnen festgehalten, damit der ungefähre Arbeitsaufwand abzuschätzen ist.

3. Selbstständige Gruppenarbeit sowie Reflexion und Präsentation der Arbeitsergebnisse im Plenum (20 Stunden)

In dieser Phase arbeiten die einzelnen Teilgruppen weitestgehend autark. Die Lehrkraft stellt hier einen wichtigen Berater dar, der die Schüler und Schülerinnen bei ihrer Arbeit begleitet und bei Schwierigkeiten als Rat- und Impulsgeber dienen kann. Neben der Arbeit in der wöchentlichen Doppelstunde ist vor allem in dieser Zeit auch zusätzlicher zeitlicher Aufwand notwendig, um den Fortgang der Arbeit zu gewährleisten. In diesem Zusammenhang ist die Berücksichtigung der Zeitplanung elementar, damit auch zu bestimmten Zeitpunkten Zwischenprodukte vorliegen. Um die Schüler in dieser Arbeit zu unterstützen, werden regelmäßige Planungs- und Entwicklungsgespräche verabredet, die die bisherige Arbeit in der Gruppe reflektieren, aktuelle Probleme thematisieren und den weiteren Ablauf strukturieren. Den Schülern und Schülerinnen muss dabei klar werden, dass diese Zielorientierung nicht primär als Kontrolle dient, sondern im Sinne eines effizienten Arbeitens unumgänglich ist.

Gerade auch im Hinblick auf diese langen Phasen ohne echte Leistungsüberprüfung ist es unabdingbar, dass die Lehrkraft spätestens zum Ende des ersten Halbjahres jedem Schüler eine Rückmeldung bezüglich des aktuellen Leistungsstands gibt. Dieses sollte sich zum einen auf verabredete Zwischenprodukte beziehen, zum anderen aber auch auf die Beurteilung der prozessbegleitenden Leistungen (Portfolio, kleinere schriftliche Ausarbeitungen, Referate, Präsentation von Arbeitsergebnissen im Plenum).

Zur Unterstreichung der Mehrperspektivität des Themas ist es wichtig, den Stand der einzelnen Teilprojekte immer wieder im Plenum vorzustellen, damit die anderen Teilgruppen über den Stand der Dinge informiert sind. Dabei stellen die Mitschüler ein wichtiges Korrektiv dar und können aus der externen Perspektive heraus weitere Ideen liefern und die bisherige Arbeit in Bezug auf Stringenz und Zielorientierung beurteilen.

4. Produktpräsentation (3 Doppelstunden)

Die Produkte der Gruppe werden im Rahmen einer Ausstellung in der Aula präsentiert, um auch innerhalb der Schulgemeinde eine größere Öffentlichkeit bezüglich der geleisteten Arbeit herzustellen. Neben herkömmlichen Präsentationen wie Powerpoint und Plakaten können in diesem Zusammenhang auch eher ungewöhnliche Formen wie Kurzfilme oder Podiumsdiskussionen gewählt werden.

5. Abschließende Reflexion (1 Doppelstunde)

In einer abschließenden Reflexion wird der Kurs evaluiert. Dieses Instrument liefert dem Lehrenden eine wichtige Rückmeldung über den Ablauf des Kurses. Die Ergebnisse können dann für nachfolgende Durchgänge genutzt werden. Sie helfen perspektivisch Probleme zu antizipieren, die dann schneller und effizienter gelöst werden können.

In dieser Evaluation sollen die Schüler und Schülerinnen darüber hinaus beurteilen, welche Kompetenzen sie im Rahmen dieses Kurses erworben bzw. weiterentwickelt haben. Erst durch die Prozessreflexion können die Schüler und Schülerinnen noch einmal den Erkenntnisweg nachvollziehen und beurteilen, wie sie mit Schwierigkeiten umgegangen sind und somit entsprechend erfolgreiche Lösungsstrategien internalisieren.

Das Gesamtprojekt umfasst in etwa einen Zeitrahmen von 36 Doppelstunden.

 

8.4 Projektergebnisse: Produkte, Dokumentation

Nach der Sichtung des Themenkomplexes und der groben Einengung auf übergeordnete Themenbereiche bildeten sich schließlich vier Gruppen, die jeweils ein Teilprojekt bearbeiteten. Eine Übersicht über die Teilprojekte und die erstellten Produkte sind der folgenden Tabelle zu entnehmen.

Nr. Titel Produkt
1

„Höher – Schneller – Weiter!? – Die Grenzen der Leistungsfähigkeit aus biomechanischer und trainingswissenschaftlicher Sicht“

Die Teilgruppe orientierte sich an der Fragestellung: Wie prognostizieren Wissenschaftler sportliche Leistungen? Ausgehend von der Frage, ob Usain Bolt wirklich in der Lage ist, die 100 Meter in 9,43 Sekunden zu laufen, die in einigen Medien als Grenze der menschlichen Leistungsfähigkeit dargestellt wurde,  erarbeiteten sich die Schülerinnen und Schüler spezifische Kenntnisse zu Aspekten der Biomechanik, Sportmedizin und Trainingslehre, die Voraussetzung für die Erbringung von sportlichen Höchstleistungen sind. Am Beispiel von Usain Bolt wurde konkret aufgezeigt, welche körperlichen Merkmale einen Weltklassesprinter ausmachen und inwiefern ein gezieltes Training Einfluss nehmen kann auf die sportartspezifische Leistungsfähigkeit.  Dazu bearbeiteten die Schüler und Schülerinnen die Grundlagenliteratur zur Trainingslehre und der Sportbiologie (s. Literaturverzeichnis). Hier ergaben sich z. T. auch Überschneidungen mit dem Fach Biologie im Bereich der Energiebereitstellung und Funktionsweise eines Muskels.
Vertiefende Recherchen - unter anderem mit Hilfe von E-Mail-Kontakten zu Leistungsdiagnostikern der Universität Köln -  erfolgten dann zur Bestimmung der leistungsdeterminierenden Faktoren im Bereich Kurzsprint.

Der perfekte Athlet (Modell/Skulptur mit Erläuterungen)

2

„Olympia in Essen – regionale Bezüge der olympischen Bewegung“

Ausgehend vom Teilzeitinternat in Essen, das in Zusammenarbeit mit dem benachbarten Helmholtz Gymnasium als "Schule des Leistungssports" und dem Gymnasium Werden  - respektive der Folkwanghochschule - Jugendliche in den Sportarten Schwimmen, Kanu und Tanz betreut, wurden Lebenswege und Einstellungen auf dem Weg zu den Olympischen Spielen erfahrbar gemacht. Dazu wurden Interviews mit den Sportlerinnen und Sportlern, aber auch mit einer Verantwortlichen auf Schulseite und der Leitung des Internats geführt, um diesen Weg der Verbindung von Leistungssport und Schule zu dokumentieren. Einige ausgewählte Interviews sind in Abschriften dem weiteren Material beigefügt. Darüber hinaus sollten Olympiateilnehmer der vergangenen Jahrzehnte aus Essen hinsichtlich ihrer Erfahrungen und Erlebnisse auf dem Weg zu und bei den unterschiedlichen Olympischen Spielen interviewt und bezüglich der unterschiedlichen Rezeption befragt werden.

Auswertung einer Fragebogenaktion (PPP)

Dokumentation

3

„Tauziehen oder Baseball? – Olympische Spiele im Wandel der Zeit“

In diesem Teilprojekt ging es u. a. um den Einfluss der Medien auf das Sportartentableau der Olympischen Spiele. Warum ist das im Jahr 1896 ursprünglich durchgeführte Tauziehen keine olympische Disziplin mehr? Warum fanden die Olympischen Spiele zum 100-jährigen Jubiläum 1996 nicht in Athen, sondern in Atlanta statt und hatten Baseball im Programm? Diese und ähnliche Fragestellungen waren Ausgangspunkt der Arbeit der Gruppe. Anhand eines Zeitstrahls wurden zunächst die Veränderungen der olympischen Sportarten in Bezug auf Qualität und Quantität dargestellt. Als Grundlage diente hier zunächst die Recherche in Zeitungsarchiven im Internet. In einer weiteren Vertiefung wurde das Vergabeverfahren der Olympischen Spiele kritisch beleuchtet und die lange existierende Praxis der Zahlung von "Beeinflussungsgeldern" anhand neuester Erkenntnisse dokumentiert. Hierzu gibt es mittlerweile auch Sekundärliteratur, die vor allem die Rolle der Verantwortlichen kritisch beleuchtet.

Dokumentation (Plakat, Zeitstrahl)
4

„Berlin 1936 – Die Instrumentalisierung der Olympischen Spiele“

Eine besondere Bedeutung auch im Hinblick auf die deutsche Geschichte stellen die Olympischen Spiele unter dem Hakenkreuz 1936 in Berlin dar. Die Schüler und Schülerinnen in diesem Teilprojekt haben die Rolle von Jesse Owens als farbigem Olympiasieger und die Beteiligung von jüdischen Sportlern rekonstruiert. So bestand die Möglichkeit, das Thema Nationalsozialismus, welches den Schülern und Schülerinnen bereits aus dem Geschichtsunterricht bekannt war, noch einmal unter einem anderen Aspekt zu vertiefen und gleichzeitig auch ihre Vorkenntnisse mit einzubringen. Das wissenschaftspropädeutische Arbeiten erfolgte hier auf der Basis der bereits reichlich vorhandenen Sekundärliteratur. Für die Schüler war hier neben der Literaturrecherche vor allem die Sichtung und Eingrenzung der Materialien bedeutsam. Anhand geeigneter Literatur erfolgte dann die sportgeschichtliche Rekonstruktion unter den oben genanten Themen.

Visuelle Präsentation

Die für die allgemeine Einführung und die einzelnen Teilprojekte verwendete Literatur kann im Literaturverzeichnis  eingesehen werden.

 

8.5 Leistungsbewertung

Grundsätzlich orientiert sich die Leistungsbewertung an den zu erwerbenden Kompetenzen. Dabei gilt es zwischen Leistungen zu unterscheiden, die im Prozess erbracht wurden, und solchen, die bei der Präsentation der Produkte offensichtlich werden.

a) Prozessorientierte Leistungsmessung

  • Erstellung eines Portfolios (Umfang und Qualität der Materialien, regelmäßiges Überarbeiten von Inhalten, Gestaltung)
  • Mündliche Beteiligung in Planungs- und Reflexionsphasen (Motivation, Qualität der Beiträge, Empathiefähigkeit, Reflexionsvermögen)
  • Vorstellung von Zwischenergebnissen (Strukturierung, Darstellung, Umgang mit Kritik und Beratung)
  • Mitarbeit in den Gruppenarbeitsphasen (Übernahme von Teilarbeiten, Präsentation von Zwischenergebnissen in der Gruppe, Festlegung gemeinsamer Ziele)

b) Produktorientierte Leistungsmessung

Bei der produktorientierten Leistung muss sich der Lehrende wieder dem Problem der individuellen Leistungsmessung stellen, da das Produkt zunächst einmal das Ergebnis einer Gruppenarbeit darstellt. Das bedeutet, dass neben den allgemeinen Kriterien auch individuelle Leistungskomponenten sichtbar sein müssen.

Gruppenbezogene Leistung Individuelle Leistung
  • Produkte
    • Qualität, Umfang, Kreativität, Anschaulichkeit
    • künstlerische Ausführung
    • technische Ausführung
    • Berücksichtigung wissenschaftspropädeutischer Aspekte
    • Präsentation
  • Teilprodukte
    • Qualität, Umfang, Kreativität
    • Präsentation
    • Darstellung, Beteiligung
  • Zwischen- bzw. Teil-Produkte, die im Rahmen der Präsentation nicht gezeigt werden

Da es sich prinzipiell um einen halbjahresübergreifenden Kurs handelt, ist es trotzdem oder vielleicht gerade deshalb wichtig, bereits zu einem früheren Zeitpunkt den Schülerinnen und Schülern ein „Zwischenfeedback“ zu geben. Aus organisatorischen Gründen bietet sich hier das Ende des ersten Halbjahres an. Um eine Grundlage für eine begründete Einschätzung zu haben, können hier neben bereits erstellten Zwischenprodukten auch das Portfolio und die quantitative und qualitative Beteiligung in Plenums- und Gruppenphasen beurteilt werden.

Die abschließende Bewertung und Information über die erbrachten Leistungen erfolgt in einem gruppeninternen Gespräch und beinhaltet neben der mündlichen Rückmeldung durch den Lehrenden auch eine begründete, schriftliche Mitteilung der Note.

 

8.6 Evaluation

Der gewählte Ansatz verdeutlicht die Mehrperspektivität des Faches. Die ausführliche theoretische Beschäftigung mit sportlichen Themen aus dem gesellschafts- und naturwissenschaftlichen Bereich stellt auch für den Sportwissenschaftler eine alltägliche Praxis dar und bereitet somit Schülerinnen und Schüler auf ein Studium in diesem Bereich vor. Es gilt sich in diesem Zusammenhang auch von der Vorstellung einer reinen Bewegungsvermittlung zu trennen, denn gerade im Sinne einer ernst gemeinten Wissenschaftspropädeutik darf der Sportunterricht an dieser Stelle nicht stehen bleiben. Dieser Anforderung wird gerade der Projektkurs mit seinen besonderen Möglichkeiten gerecht, stellt er ja schon von seiner grundsätzlichen Ausrichtung her nicht eine Fortsetzung des regulären Sportunterrichts dar. Es ist vielmehr ausdrücklich intendiert, zukünftige Projektkurse nicht nur auf eine theoretische Ebene zu stellen, sondern gleichermaßen auch die Vielfalt der Möglichkeiten im praktischen Bereich zu nutzen.

Da sich die Sportwissenschaft in ihren Teildisziplinen häufig aus anderen Wissenschaftsdisziplinen bedient, sollte diese Möglichkeit im Rahmen fachübergreifender Ansätze auch im Projektkurs genutzt werden. Gerade der stark historisch orientierte Teil zu den Olympischen Spielen 1936 bietet hier Anknüpfungspunkte zum Fach Geschichte. Aber auch die sozialwissenschaftlich orientierten Themen bieten Gelegenheiten Kompetenzen anderer Fächer zu nutzen. Durch den Kontakt mit anderen Fachlehrern können die Schüler - aber auch der Unterrichtende - bereits erste Anregungen und Informationen erhalten, die die Grundlage für eine tiefer gehende Behandlung darstellen können. Neben dieser fachlichen Hilfestellung sind aber auch bei technischen Schwierigkeiten (z.B. Erstellung eines Films) häufig externe Ressourcen notwendig. So können sich auch Kontakte zu außerschulischen Kooperationspartnern ergeben, die das Schulprofil bereichern und vielleicht auch eine langfristige Zusammenarbeit ermöglichen. In diesem Zusammenhang sei auch auf die Schulmedienstellen verwiesen, die häufig Fortbildungsveranstaltungen in technischen Bereichen anbieten. Neben diesen technischen Schwierigkeiten zeigt sich aber auch die Notwendigkeit bereits in der Sekundarstufe I auf adressatengerechtem Niveau wissenschaftspropädeutisch und methodisch in diesem Bereich zu arbeiten. Im Rahmen eines Methodencurriculums müssen entsprechende Kompetenzen bereits vorher erworben werden.

Bei der Rückschau auf den durchgeführten Kurs sind vor allem bezüglich der Unterrichtsform einige Punkte zu nennen, die bei einer zukünftigen Realisierung berücksichtigt werden sollten. So stellt das hohe Maß an selbstständiger Arbeit eine besondere Anforderung an die Schüler und Schülerinnen dar. Diese wurde vor allem in leistungsheterogenen Gruppen deutlich. Hier bringen sich leistungsstarke Schülerinnen und Schüler in der Regel viel stärker ein und entwickeln eine hohe intrinsische Motivation. Leistungsschwächere Schüler „schwimmen“ hingegen eher mit und brauchen zusätzliche Strukturierungshilfen. Diese Hilfen können sowohl fremdbestimmt durch den Lehrenden oder aber idealerweise in der Gruppe erfolgen. So sollen möglichst vielfältige Methoden der Selbstüberprüfung (Überprüfung von Zielvereinbarungen, Dokumentation, Selbstreflexion) entwickelt und die eigene Arbeit vor dem Hintergrund des weiteren Arbeitsverlaufs in der Gruppe reflektiert werden.

In diesem Zusammenhang wird aber auch die Bedeutung der Rolle des Lehrenden noch einmal deutlich. Er ist als prozessbegleitender Berater und Moderator gefragt, um bei Schwierigkeiten im Bereich Zeit- und Organisationsmanagement gegebenenfalls unterstützend zu wirken. Festzustellen ist, dass sich die Zusammenarbeit in der Gruppe die meiste Zeit über als sehr produktiv erwiesen hat, auch wenn die Vereinbarung gemeinsamer Ziele nicht immer unproblematisch war und nicht in allen Gruppen die Arbeitsbelastung immer gleich verteilt wurde.

Abschließend lässt sich sagen, dass dieser Projektkurs den Teilnehmern viel Freude gemacht hat. Es wurde aber auch deutlich, dass diese freie Form des Unterrichts über eine so lange Zeit andere Formen der Steuerung als im standardisierten Unterricht erfordert und sowohl für Lehrkräfte als auch Lernende eine hohe Anforderung darstellt. Rückblickend ist die Thematik positiv zu bewerten, die über den alltäglichen Sportunterricht hinausgeht und den Blick für die vielfältigen Möglichkeiten des Faches Sport geöffnet hat.

 

8.7 Materialien

Die folgenden Materialien stehen zur Verfügung:
  1. Olympische Sportarten im Wandel der Zeit
  2. Die Olympischen Spiele 1936
  3. Leistungsdeterminierende Faktoren zum 100m-Sprint
  4. Besondere Lernleistung, Broschüre aus dem Jahr 2001 (Auszug)
  5. Leistungsbewertung
  6. Portfolio
  7. Literaturverzeichnis
  8. Interview Ole Schmidt - Ruderer
  9. Interview Kevin Nguyen - Schwimmer
  10. Interview Laura Kutscheidt - Schwimmerin
  11. Interview Magdalena Jankowska - Tänzerin
  12. Interview mit der Koordinatorin des Internats am Helmholtzgymnasium