Materialien im EGS
Fremdsprachenunterricht ist besonders erfolgreich, wenn die Schülerinnen und Schüler ihn als bedeutungsvoll und lebensecht und damit als authentisch im weitesten Sinn erleben und die neue Sprache als Kommunikationsmittel verwenden können.
Diesem Anspruch der Authentizität müssen die Themen und die Sprache, die Situationen und die Materialien gerecht werden. Im Folgenden wird näher auf die Materialien eingegangen.
Im EGS wird sowohl mit didaktisierten Materialien (Lehrwerke etc., die für deutsche Kinder zum Zweck des Englischlernens konzipiert wurden) als auch mit authentischen Materialien im engeren Sinn gearbeitet. Das Wort „authentisch“ meint in diesem Zusammenhang Texte, Gegenstände etc. (s. unten), die nicht speziell für das Fremdsprachenlernen erstellt wurden, sondern aus dem Zielsprachenkontext stammen und in erster Linie für native speakers gedacht sind.
Gute Materialien – gleichgültig, ob didaktisiert oder authentisch –
- bieten reichhaltige Sprache, d.h. sie sind comprehensible, aber nicht zu simpel
- sind altersgemäß, herausfordernd und interessant
- regen zum Handeln mit/in der Sprache an
- motivieren die Kinder zum Sprachenlernen
- unterstützen selbstständiges Arbeiten
- tragen dazu bei, Language Awareness (Nachdenken über Sprache) und Language Learning Awareness (Reflexion des Lernprozesses) anzubahnen
- schließen Möglichkeiten zum Interkulturellen Lernen ein.
Lernmittel der Schulbuchverlage
Ein gutes Lehrwerk oder Themenpaket für den EGS muss die Lehrkraft bei ihrer Unterrichtsplanung und Vorbereitung unterstützen. Die Lehrerhandreichung sollte didaktisch und methodisch sinnvolle Anregungen für die Gestaltung des Unterrichts geben und erläutern, wie die Begleitmedien mit Hörtexten, Geschichten, Liedern etc. auf CD, DVD, CD-ROM mit native speakers als Sprechern sowie die Begleitmaterialien wie Handpuppe, Poster, story cards etc. den Unterricht bereichern können.
Ein Lehrwerk sollte immer nur als Leitmedium verstanden werden; es darf keine Fessel sein, die die Lehrkraft auf einen bestimmten Ablauf festlegt. Die Pupil’s Books und Activity Books werden nicht Seite für Seite abgearbeitet.
Der Lehrkraft kommt vielmehr die Aufgabe zu,
- im Hinblick auf die jeweilige Klasse abzuwägen, was sie für geeignet hält und aus den Angeboten auszuwählen,
- manches wegzulassen oder zu adaptieren,
- die Verlagsangebote durch das, was die Schülerinnen und Schüler einbringen, zu ergänzen und
- durch authentische Materialien zu bereichern.
Dabei lässt ein offen und modular angelegtes Lehrwerk mehr Spielraum, den Unterricht an den Bedürfnissen und Interessen der Kinder auszurichten als ein festgeschriebener linear angelegter Lehrgang.
Gute Lehrwerke bieten
- Materialien, die den Erwerb der im Lehrplan festgeschriebenen Kompetenzen in allen Bereichen ermöglichen
- Anregungen zu authentischer sprachlicher Aktion und Interaktion und zu vielfältigen Partner- und Gruppenaktivitäten
- Materialien, die den Lerner herausfordern (keine intellektuelle und ästhetische Unterforderung der Schüler), stattdessen Orientierung am Alter, Erfahrungs- und Interessenshorizont der Schüler
- Nachhaltige Wortschatzarbeit: Einbettung des Wortschatzes durchgängig in sinnvolle sprachliche und inhaltliche Kontexte, u.a. Wortfelder/ Wortfamilien etc.
- Vernetzung von neuem mit bekanntem Wortmaterial und Umwälzen von Wortschatz und Strukturen im Sinne spiralförmiger Ausrichtung
- Unterstützung offener Unterrichtskonzepte: Ermöglichung selbstständigen Arbeitens
- Anregungen/ Vorlagen zur Erstellung individuell einsetzbarer Materialien zur Differenzierung
- sinnvolle Materialien zur Leistungsüberprüfung/Diagnose bezogen auf alle Fertigkeiten, keine isolierten Wortabfragen
- praktikable Anregungen zur Reflexion des Lernprozesses
- Fächerübergreifende Anregungen
„Authentische“ Materialien
Als Ergänzung zur Arbeit mit Lehrwerkmaterialien bereichern authentische Textmaterialien und Alltagsgegenstände aus englischsprachigen Ländern den Unterricht und das Lernen in besonderem Maße und fordern zum Entdecken und Erkunden heraus.
Als Beispiele für authentische Textmaterialien seien genannt:
- für englischsprachige Kinder erstellte Literatur und einfache Sachtexte: Bilderbücher, Kinderzeitschriften, -magazine, easy readers, z.B. Oxford Reading Tree
(Zu vielen Kinderbüchern gibt es neben der Print- auch eine Hörfassung, die im Mitleseverfahren paralleles Hören und Lesen ermöglicht.)
- e-zines 1 , Internetplattformen, DVDs oder Software mit Geschichten etc.
- (trad. und moderne) Lieder, Reime, chants, auch (Lieblings-)Hits, die die Kinder mit in den Unterricht bringen, Spiele (wie I spy with my little eye) etc. aus dem englischsprachigen Raum
- Themen-/Infoposter (wie z.B. My Body), Wimmelbilder und (Bild-) Wörterbücher, die für englischsprachige Kinder konzipiert wurden
- E-Mails, Briefe, Postkarten etc., die an die Klasse oder einzelne Kinder z.B. im Rahmen einer Schulpartnerschaft auf Englisch geschrieben wurden (Neben Partnerschaften zu Schulen in englischsprachigen Ländern bieten sich auch solche in nicht-englischsprachigen, in der Regel europäischen Ländern an; hier kann Englisch in seiner Funktion als lingua franca erfahren werden.)
Als Realia aus englischsprachigen Ländern bieten sich alle Dinge an, die das Denotat verkörpern und die für Kinder interessant und reizvoll sind:
- Spielsachen wie Paddington Bear, Jack-in-the-box etc.
- board games (wie Snakes and Ladders), card games (wie Snap, Happy Families, Noughts and Crosses (amer.: Tic-tac-toe) etc.
- Nahrungsmittel wie salt and vinegar crisps, Marmite, marmalade etc.
- Sportzubehör wie baseball, cricket bat etc.
- Fotos (z.B. zu den Themen school, family, houses, traffic, festivals etc.)
- Werbeprospekte, Verpackungen
- postcards, birthday/Christmas/Valentine’s cards etc., posters
- tickets, maps, menus, money (dollars, pounds), flags etc.
- …
Authentisches Textmaterial und Realia aus Zielsprachenländern tragen dazu bei, eine anregende Lernumgebung zu schaffen. Sie werden z.B. an einem festen Platz im Klassenzimmer in einer “English corner“/ „Bibliothek“/ an einem “info desk“ ausgestellt bzw. stehen zum Gebrauch zur Verfügung, z.B. in Freiarbeitsphasen, beim Stationenlernen, bei offenen Aufgabenstellungen.
Diese Materialien können
- Gesprächsanlässe schaffen
- zum Entdecken und Erkunden herausfordern
- Interesse und Neugier an der Sprache und an englischsprachigen Ländern wecken
- zum Vergleich mit Bekanntem anregen
- zum Lesen/Hören motivieren
- zum Herausfinden/Nachschlagen von Informationen/Wörtern bereitstehen
- als Utensilien/Requisiten für Rollenspiele und Dialoge oder für (Gruppen-) Spiele wie Kofferpacken, Kim’s games, What’s missing dienen
- von der Lehrkraft zur anschaulichen Einführung von Wortschatz herangezogen werden
- …
Ergänzt wird eine English corner in der Regel auch durch didaktisierte Materialien, die das selbstständige Arbeiten unterstützen, wie
- (Bild-)Wörterbücher von Schulbuchverlagen
- Wort-Bild-Karteien zum Nachschlagen von Wörtern und zum Festigen des Wortschatzes durch Spiele(n) (z.B. pelmanism, memory, bingo, dominoes etc.)
- board games und andere Spiele, bei denen die Kinder in Kleingruppen kommunizieren
- von Kindern für andere Kinder erstelltes Material (z.B. Spiele mit selbst verfassten Aktionskarten, Rätsel, mini books, Poster etc.)
- vorstrukturiertes Arbeitsmaterial und Formulierungshilfen für die Sprachproduktion der Kinder (von den Kindern selbst, von der Lehrkraft oder auch von Verlagen erstellt)
- Tonträger mit Hörtexten, Liedern, Reimen, chants, etc., gesprochen/gesungen von native speakers zum individuellen, auch mehrfachen Hören z.B. mithilfe von MP3-Playern
- Lesehefte, Lektüren (im Idealfall mit Hörtext)
- lehrwerkbegleitende und/oder lehrwerkunabhängige Lernprogramme auf CD-ROM als Übungsmaterial zur Festigung und Vertiefung, sowie zur Differenzierung und Erweiterung
- Fingerpuppen für Partner-/Gruppengespräche, die gerade jüngere Schülerinnen und Schüler zur Übernahme einer Rolle motivieren
- story cards, poster books, picture cards, word cards, flash cards etc. zum Hantieren mit Wort- und Bildmaterial
- Lernkarteien und Freiarbeitsübungsmaterial von Verlagen
- didaktisierte Kinderzeitschriften zum Englischlernen
Außerdem können Videos oder DVDs mit Geschichten, auf die in der Regel nur die Lehrkraft zugreift, in der English Corner aufbewahrt werden ebenso wie eine Handpuppe, die in vielen Klassen als Identifikations- und Motivationsfigur eingesetzt wird und bei den Kindern vor allem in der Schuleingangsphase als Gesprächspartner, der ausschließlich Englisch spricht, in der Regel sehr beliebt ist.
Ein gewisser Teil an Materialien (wie Wörterbücher etc.) wird zum festen Bestand einer solchen Ecke gehören, zum anderen kann es – den jeweiligen Themen entsprechend – wechselnde „Ausstellungen“ geben (z.B. aktuelles Wortmaterial etc., das den Schülerinnen und Schülern für ihre Sprachproduktionen zur Verfügung steht).
Schülereigene Materialien
- English folder (Sammelordner für Arbeitsblätter, Lernergebnisse etc.)
- Sprachenportfolio mit Dokumenten, die über den individuellen Sprachlernprozess Auskunft geben (z.B. in Form von Selbsteinschätzungen („Wie ich lerne“ und „Was ich schon kann“) und Beiträgen im Dossier (z.B. eigene Texte, mini-books, für andere Kinder erstellte Rätsel, beschriftete Zeichnungen, Videoclips/ Tonbandaufzeichnungen von „Vorträgen“ und Präsentationen)
- Vgl. Referenzrahmen und Portfolio
- Briefe, Fotos
- (Gruppen-)Lern-/Ergebnisplakate
- Selbst erstelltes Übungsmaterial, z.B. schülereigene Wort-Bild-Kartei (auch mit „persönlichen“ Wörtern) zum Nachschlagen von Wörtern / zum Festigen des Wortschatzes durch Spiele(n) mit einem Partner, z.B. in Form von Memoryspielen, Ratespielen (Guess my favourite animal etc.) oder auch allein (z.B. Wort-Bild-Zuordnungen)
Unterrichtsmaterialien erstellt durch die Lehrkraft
Darüber hinaus werden selbstverständlich auch von der Lehrkraft Unterrichtsmaterialien erstellt und im Unterricht verwendet, u.a. Arbeitsblätter, selbst gezeichnete Bildergeschichten, selbst gesprochene und aufgenommene Hörtexte wie z.B. Geschichten, Kinderbuchtexte, die es nicht auf CD gibt.
Lernmaterialien für den außerschulischen Gebrauch
Die Verlage bieten eine Vielzahl an Produkten zum außerschulischen (Weiter-) Lernen der englischen Sprache. Es wird häufig damit geworben, dass sie den Kindern helfen sollen, den Schulstoff zu vertiefen, Wissenslücken zu schließen und Fehler abzubauen.
Lehrkräfte in der Grundschule sollten diese Materialien kritisch hinterfragen und genau überprüfen, ob und in wieweit sie in ihrer Konzeption zu den Vorgaben des Lehrplans passen. Eltern sind entsprechend zu beraten.
1 Elektronische (Online) Magazine für Kinder und Jugendliche, meist von diesen selbst erstellt
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